Baja el número de empresas extranjeras que se instala en Suiza

Fecha de publicación: 17 de abril de 2015

Ausländische Firmen zieht es seltener in die Schweiz
Die sinkende Zahl von Neuansiedlungen befeuert den Streit über die Standortförderung.

Der Vorschlag ist ein altes linkes Anliegen und hat nach der Annahme der SVP-Masseneinwanderungsinitiative Auftrieb erhalten: Die Schweiz soll auf ­Zuwanderungsanreize wie die Standortförderung verzichten. Auf diese Weise zögen weniger Firmen ins Land, die ­Einwanderung nehme ab. Die Schweiz könne so die Initiative umsetzen, ohne mit der EU ins Gehege zu geraten.

So wie die Entwicklung derzeit verläuft, sinkt die Schweiz in der Gunst ausländischer Firmen auch ohne die postulierte Abschaffung. Dieses Fazit legen zumindest die gestern publizierten Zahlen der Konferenz kantonaler Volkswirtschaftsdirektoren (VDK) nahe. Im letzten Jahr zählte die VDK 274 Neuansiedlungen, das sind 8 Prozent weniger als 2013. Dasselbe Bild bei den neu geschaffenen Arbeitsplätzen: Deren Zahl sank um 20 Prozent auf 780.

Unklar ist, inwieweit die SVP-Initiative zu diesem Rückgang beigetragen hat. Deren Einfluss sei schwierig abzuschätzen, sagt Christoph Brutschin (SP). Der Basler Volkswirtschaftsdirektor präsidiert die Steuerungsgruppe Landesmarketing, ein Gremium, das aus Vertretern des Bundes, der Kantone sowie ­regionalen und nationalen Standortförderern besteht. «Sind politisch wichtige Rahmenbedingungen nicht geklärt, schadet dies dem Ansiedlungsklima aber sicher.» Darauf deutet auch eine Analyse der Standortmarketing-Organisation Greater Zurich Area hin. Demnach haben die Firmen letztes Jahr länger zugewartet, bis sie sich für einen Standort entschieden haben.

Dissonanz im linken Lager

Sozialdemokrat Brutschin will die Standortförderung nicht abschaffen – anders als seine Partei. «Es wäre falsch, der Ansiedlungspolitik generell eine Absage zu erteilen.» Zwar generiere die Neuansiedlung von Firmen Migration, doch neue Zuwanderer seien immer auch ein Gewinn für die Schweiz, da so ein «befruchtender Austausch» entstehe. Zudem, so Brutschin weiter, versuche die Standortförderung vermehrt, ausgewählte wertschöpfungsintensive Unternehmen zu gewinnen, etwa aus dem Forschungsbereich. «Die Qualität und nicht die Quantität der Ansiedlungen steht im Vordergrund.»

Diese Ansicht vertritt auch die VDK. Den Rückgang begründet sie nicht zuletzt mit dem verschärften globalen Wettbewerb. Dafür spricht, dass der rückläufige Trend seit mehreren Jahren anhält. 2007 registrierte die VDK noch rund 500 Neuansiedlungen und 3500 neu geschaffene Arbeitsplätze, markant mehr als zuletzt 2014.

Anders als die Linke sind die Bürgerlichen überzeugt, dass eine Abkehr vom Attraktivitätswettbewerb die Zuwanderung nicht entscheidend drosseln kann. SVP-Nationalrat Thomas Aeschi sagt, der Negativtrend bei den Firmenansiedlungen halte schon seit mehreren Jahren an, gleichwohl sei die Einwanderung konstant hoch. Die fehlende Korrelation sei offensichtlich. FDP-Präsident Philipp Müller doppelt nach: «Migrationspolitisch fallen Firmenansiedlungen kaum ins Gewicht.» Pro Jahr würden netto rund 80'000 Menschen in die Schweiz einwandern. Selbst wenn alle 780 neu geschaffenen Arbeitsplätze mit neu eingereisten Ausländern besetzt würden, mache dies nicht einmal ein Prozent der Zuwanderung aus.

Als Auslöser für die Baisse sehen bürgerliche Politiker die «verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen». Dazu zählen sie etwa die Unsicherheit, welche die geplante Unternehmenssteuerreform III mit sich bringe. Je nach Ausgestaltung werde die Schweiz nach dem Wegfall der international verpönten Privilegien für mobile Gesellschaften kein steuerlich attraktiver Standort mehr sein, sagt SVP-Nationalrat Aeschi. Die Masseneinwanderungsinitiative sehen er und seine Parteikollegen nicht als Mühlstein für die Wirtschaft – Politiker aus FDP und CVP hingegen schon. Am gleichen Strick wollen sie gleichwohl ziehen. Angesichts der sinkenden Standortattraktivität drängen sie nun umso vehementer darauf, das jüngst geschnürte Deregulierungspaket zur Stärkung des Standorts Schweiz umzusetzen.

Offizielle Zahlen lückenhaft

Derweil hält die Linke an ihrer Forderung fest. Sie tut dies nicht zuletzt, weil die VDK nur jene Ansiedlungen zählt, die von den Kantonen begleitet und zum Abschluss gebracht werden. Doch Firmen lassen sich auch mithilfe von Treuhändern und Consultingfirmen in der Schweiz nieder. Wie viele es sind, dazu gibt es keine offiziellen Daten. Experten schätzen die Zahl der effektiven Neuansiedlungen um den Faktor 2 bis 3 höher, als von der VDK berechnet. Ebenfalls strittig ist, wie stark die Zuwanderung sich selber befeuert. SP-Nationalrätin Jacqueline Badran sagt: «Pro Manager wandern rund 10 Personen mit.» Dies, weil er hier private Dienstleistungen beanspruche, also Arbeitskräfte etwa aus dem Gesundheitswesen, die wiederum Leistungen konsumierten. Konservativer rechnet das Staatssekretariat für Wirtschaft. Gemäss einer ihrer Studien haben zwischen 2008 und 2012 zwei Zuwanderer einen weiteren nach sich gezogen.

Fuente: Tagesanzeiger, 16.04.15